Bildungsreform endlich umsetzen!

Rund ein Fünftel der Vorarlberger Eltern nimmt bezahlte Nachhilfe in Anspruch. Um das zu vermeiden und die zielgerichtete, individuelle Förderung der Schüler den Schulen selbst überlassen zu können, muss in Vorarlberg endlich ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen geschaffen werden.

Angesichts der hohen Kosten für Nachhilfestunden sollten diese im Rahmen der Ganztagsschule von den Lehrerinnen und Lehrern übernommen werden.

An die 119 Millionen Euro werden in Österreich jährlich für Nachhilfestunden ausgegeben; in Vorarlberg sind es 6,5 Millionen Euro. Das ergibt für die betroffenen Haushalte eine Gesamtbelastung von durchschnittlich 844 Euro. Damit liegt Vorarlberg im Bundesländervergleich nach Wien (882 Euro) auf dem wenig schmeichelhaften zweiten Platz. Gut die Hälfte der Eltern ist durch diese zusätzlichen Kosten finanziell stark oder spürbar belastet. Wenn man in diesem Zusammenhang bedenkt, dass 34 Prozent der Haushalte mit einem Einkommen bis 1600 Euro von der Schule die Empfehlung erhalten, private Nachhilfe zu organisieren, dann ist es höchste Zeit, die Schulfinanzierung stärker an der sozialen Lage von Eltern und Schülern auszurichten. Bezahlte Nachhilfestunden dienen ja meistens dazu, eine negative Note zu verhindern und werden in rund 30 Prozent der Fälle von den Lehrern selbst angeboten. Anstatt die Aufgabe einer zielgerichteten, individuellen Förderung aber auszulagern, wäre es besser, wenn die Schulen sie im Rahmen der Nachmittagsbetreuung selbst wahrnähmen. Dann wären Nachhilfestunden in den meisten Fällen nämlich überflüssig. Das sei effizienter, vermeide Interessenskonflikte und müsse deshalb, so FPÖ KR Michael Koschat, „unmittelbare Auswirkungen auf zukünftige schulpolitische Handlungen haben.“

Rasche Umsetzung des flächendeckenden Ausbaus ganztägiger Schulformen in Vorarlberg

Nicht zuletzt aus diesem Grund ist der flächendeckende Ausbau der Ganztagsschulen dringend geboten: Die Ganztagsschule ist nicht nur ein erfolgreiches Instrument gegen Armut und Arbeitslosigkeit, sondern vor allem sozial gerechter als herkömmliche Schulmodelle, weil in die Bildung aller Kinder mehr Zeit investiert werden kann. Unsere Gesellschaft hat sich verändert, und diese Veränderung verlangt auch nach einer Systemänderung im Bildungswesen. Es braucht eine neue Förderpraxis wie auch eine neue Lernkultur, im Rahmen derer die Schule weniger für oberflächliche Wissensvermittlung stehen sollte als vielmehr für das vertiefende Lernen der vermittelten Inhalte. Dazu braucht es Zeit – mehr Zeit, als bisher zur Verfügung steht. Ein schulisches Ganztagesangebot, das dieser Prämisse entspricht, ist somit ein Gebot der Stunde. Schließlich hat der Nationale Bildungsbericht klar gezeigt, dass die Ganztagsschule sowohl sozial- als auch bildungspolitisch zu den besten und bewährtesten Modellen gehört. Es ist also in einem ersten Schritt notwendig, den flächendeckenden Ausbau ganztägiger Schulformen in Vorarlberg schnellstmöglich umzusetzen. Diesem Schritt müssen allerdings in unmittelbarer Zukunft weitere Schritte in Richtung einer gemeinsamen Schule folgen, um allen Kindern – unabhängig von ihrer sozialen Herkunft – die gleichen Bildungschancen bieten zu können.